Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Subventionen’

Einige Grünen-Politiker — z.B. Agnieszka Brugger MdB, Wahlkreis Ravensburg — haben eine Strafsteuer für Konfessionslose  gefordert. Es handelt sich um eine ähnliche Steuer, wie es sie in Italien gibt. (Hier der Link zum Beitrag)

Agnieszka Brugger

Interessant ist die Begründung: „Ist es sinnvoll zuzuschauen, dass viele Menschen wegen der Kirchensteuer aus unserer Kirche austreten? Wir meinen, es ist auch aus der Perspektive unserer Kirche richtig, einen Reformweg zu beschreiten, der sich am italienischen Vorbild einer ‘Kulturabgabe’ orientiert, welche alle Menschen an eine gemeinnützige Institution ihrer Wahl entrichten.”

Also ein Problem der Kirche soll damit gelöst werden, dass man alle Konfessionslosen mit einer Strafsteuer belegt. Hört sich schon sehr nach Gesinnungspolitik an. Interessant ist, warum dies nur bei der Kirche gelten sollte, könnte man so etwas nicht auch auf z.B. den ADAC oder den DfB ausweiten, vielleicht auch auf eine Mitgliedschaft bei den Grünen?

Oder noch besser, Eine Strafsteuer für Nicht-Autofahrer? Immerhin zahlen die weder KFZ-Steuer noch Mineralölsteuer!

Laut evangelischer Kirche ist dieser Vorschlag übrigens als verfassungswidrig einzustufen, „Aus deutscher Perspektive stellt die enge Verzahnung von Kirche und Staat, wie sie in Italien und Spanien praktiziert wird, eine verkappte Staatsfinanzierung dar. Dieses Modell widerspricht der deutschen Verfassung und ist mit Art. 140 GG nicht vereinbar.“

Die Initiatoren dieses Vorschlags haben damit ihre geistige und politische Unkenntnis unter Beweis gestellt.

Als kleinen Hinweis noch zu den Kirchenaustritten. Besonders viele Kirchenaustritte gab es, als im Jahr 2010 immer mehr Missbrauchsskandale an die Öffentlichkeit gerieten.

Die Forderung ist auch deshalb absurd, weil die gesparte Kirchensteuer versteuert werden muss. Durch die Zahlung von Kirchensteuern erhält der Staat also weniger Steuern. Die Kirche gibt weniger Geld für gemeinnützige Zwecke aus, als die Höhe der entgangenen Steuereinnahmen. Kirchenaustritte entlasten somit sogar die Allgemeinheit.

Update: 2,790 Milliarden Euro Steuermindereinnahmen hatte der deutsche Staat im Jahr 2010 aufgrund der Abzugsfähigkeit der Kirchensteuer. Quelle: Bundesfinanzministerium Seite 79 des Subventionsberichtes.

Advertisements

Read Full Post »

Kühe haben eine herausragende Rolle in der Entwicklung der Menschheit gespielt. Schon vor 10.000 Jahren wurden im Iran und Anatolien Rinder domestiziert. Vor etwa 8.0000 Jahren kamen die Rinder entlang der Donau nach Mitteleuropa. Seit eh und je nutzen die Menschen fruchtbare Böden zum Ackerbau. Viele trockene, weit entfernte oder nasse Böden waren zum Ackerbau nicht geeignet. Diese Böden wurden als Weide für das Vieh genutzt. Anfangs wurden Weiden gemeinschaftlich genutzt, was zur Ausbeutung des Gemeingutes sorgte. Solche Ausbeutung kann man noch heute in Afrika finden, dort werden und wurde Weideland so lange ausgebeutet, bis kein Halm mehr wuchs und das Land unbrauchbar wurde.

Nun aber zurück zum Rind und den Milchkühen. Kühe waren eine Ernteversicherung für Bauern, wenn es Missernten gab, konnte man Kühe verkaufen, sie eintauschen oder mit Stroh durchfüttern. Außerdem ernährte man sich von ihrem Fleisch, von ihrer Milch, nutze ihren Dung als Dünger oder als Feuerholzersatz.

Die Kuh lieferte Kraftnahrung und ernährte Kinder breiter Bevölkerungsschichten. Mit Butter als Ernährungsergänzung ließ sich einseitige Getreidekost ergänzen und war gleichzeitig ein wichtiger Energielieferant bei harter Arbeit. Nicht umsonst wurden Kühe von den Ägyptern in den Himmel aufgenommen, Kühe sind in Indien als heilig und gelten als Quelle und Symbol für bäuerlichen Wohlstand. Dorfweiden wurden bis im 18. Jahrhundert völlig übernutzt, da diese Allgemeingut waren. Erst mit der Einführung der Dreifelderwirtschaft und der Bauernbefreiung nach der Französischen Revolution kam eine Erfolgsspirale in Gang. Der Flurzwang wurde aufgehoben und Gemeinschaftsflächen aufgeteilt. Diese Privatisierung brach Sozialstrukturen auf und der Raubbau an den Gemeinschaftsflächen fand ein Ende. Von nun an düngten die Grundeigentümer ihre Felder mit Kuhdung und achteten stark auf ihre Felder. Diese führte zu höheren Erträgen, zu einer besseren Ernährung der Menschen, lieferte günstigere Lebensmittel und führte zu mehr Wohlstand.

Kühe rupfen im Gegensatz zu Schafen und Ziegen Gras mit der Zunge ab, dadurch wird das Grünland geschont und der Gräserbestand wird selektiert. Kühe begnügen sich mit Gras, Heu und Stroh und liefern dafür Milch, Dung, Fleisch und ihre Arbeitskraft. Heute gibt es statt den Drei-Nutzungsrassen (Milch, Fleisch, Kraft) nur noch Zwei-Nutzungsrassen (Milch und Fleisch).

Wildkühe verloren im Laufe ihrer Domestizierung verschiedene Merkmale, das wichtigste Merkmal ist die saisonale Brunft. Wildkühe bekommen im Frühjahr ihre Kälber. Unsere heutigen Kühe gebären das ganze Jahr über. Nach der Geburt produziert eine Kuh viel Milch. In der Milchwirtschaft werden Kälber sofort nach der Geburt von ihren Mutterkuh getrennt. Lässt man der Kuh ihr Kalb entwickeln sich sehr schnell ein Pflege- und Verteidigungsinstinkt, welche die spätere Trennung von Kuh und Kalb für beide verschlimmert. Auch in der Bio-Milchproduktion ist dies so.

Oftmals heißt es, dass heutige Turbo-Kühe ein kürzeres Leben haben. Ja dies stimmt, denn die Kühe werden früher geschlachtet. Die frühere Schlachtung hat zwei Gründe. Der erste ist, dass es wirtschaftlicher ist eine Kuh weniger Jahre mit einer höheren Milchleistung im Stall zu haben. Der zweite Grund ist, dass jüngeres Fleisch sich besser verkaufen lässt. Wer isst schon gerne eine alte Kuh?

Von Milchbauern wird heute ein hohes Wissen, ein großes Herz für Tiere, unerschöpflicher Fleiß und ständige Kontrolle gefordert und im Wettbewerb mit der Konkurrenz nicht unterzugehen. Landwirte leben davon, dass es ihren Tieren gut geht und sie dadurch einen hohen Ertrag erzielen.

Im Jahr 1950 gab es in Deutschland noch 1,5 Millionen Viehhalter. Heute sind es weniger als 90.000 Viehhalter. 14 Prozent des in Deutschland verzehrten Fleisches ist Rindfleisch. Dies sind circa 4,1 Millionen Kühe welche von ca 90.000 Betrieben gehalten werden.

Kühe geht es in Großbetrieben nicht schlechter als auf kleinen Höfen, es kommt nicht auf die Anzahl der Tiere an, sondern auf die Art, wie diese gehalten werden. Bis 1970 gab es Anbindeställe, diese Ställe in denen Kühe ihr ganzes Leben lang angebunden waren, solche Ställe sind heute nicht mehr erlaubt. Heutzutage sind die meisten Ställe so genannte Laufställe, dort gibt es drei verschiedene Bereiche. Es gibt einen Fress- einen Ruhe- und einen Melkbereich. Die Tiere laufen selbstständig zwischen diesen Bereichen umher. Oftmals sind die Melkbereiche mit Melkrobotern ausgestattet, bei denen die Kühe selbst entscheiden, wann und wie oft sie gemolken werden. Kühe bei jedem Wetter auf der Weide stehen zu lassen ist nicht immer Artgerecht. Kühe brauchen eine Herde, eine Weide muss gepflegt sein, die Kühe entwurmt und von Parasiten geschützt werden. Zudem ist ein Zugang zu sauberem Wasser immens wichtig, ebenfalls muss für Schatten, Licht und zugfreie Luft gesorgt sein. All diese Gegebenheiten sind in modernen Ställen vorhanden. Das Glück von Kühen ist nicht messbar, aber man kann ihre Stressbelastung erkennen und ob Kühe gesund sind. Eine gute Haltung sorgt für wenig Stress, wenig Krankheiten und dadurch zu guter Milchleistung und einem gutem Fleisch. Kühe die schlecht gehalten wurden oder an Stress leiden mussten erzielen beim Schlachter einen schlechten Ertrag. In Schlachtbetrieben wird heutzutage der PH-Wert des Fleisches einer jeden Kuh gemessen und fließt in den Fleischpreis, den der Bauern erhält, mit ein. Ein ruhiges Stallpersonal, vorsorgliche Pflege der Kühe, eine bedarfsgerechte Futterration, ein stressfreier Platz am Futtertrog, ein Ruheplatz zum Wiederkäuen, ein Schlafplatz im Stall und ein guter Stallboden sind wichtige Wohlfühlparameter einer Kuh im 21. Jahrhundert.

 

Nächstes Mal schreibe ich dann was zu europäischen Butterbergen und Milchquoten.

Read Full Post »